Sonnenschutz kann man essen

Nein, nein, nein, jetzt nicht die Sonnencreme ins Wasserglas gießen. Das schmeckt doch gar nicht. Gesundheitsberaterin Kerstin Hiemer hat viel Tipps um Kinderhaut vor Sonnenbrand zu schützen. Und ja, einige sind sogar sehr lecker. Worauf es noch ankommt, um gesund durch den Sommer zu kommen, und warum es auch bei Kindern keinen Lichtschutzfaktor von 100 braucht, erklärt dir die Expertin im Interview.

Dass Kinder besonders schützenswert sind, ist klar, aber braucht auch Kinderhaut besonderen Schutz?
Einerseits ist Kinderhaut noch jung. Das heißt, sie muss sich erst noch ausbilden. Die Haut von uns Erwachsenen ist einfach schon ein bisschen was gewohnt. Das ist das eine und ein anderer Aspekt ist der natürliche Lichtschutzfaktor, den wir alle schon in uns haben, die Melanine. Das sind dunkle, gelbe oder rötliche Farbpigmente, sie sind für die Bräune verantwortlich. Experten sagen, dass die Haut diesen natürlichen Schutz erst im Vorschulalter voll entwickelt hat.

Ist dieser natürliche Schutz auch eine Frage der Veranlagung?
In Deutschland leben hauptsächlich eher helle Hauttypen. Wer diese Veranlagung hat muss beim Sonnenbaden auch eher aufpassen, als wenn jemand generell ein dunklerer Hauttyp ist. Das spielt nicht nur bei uns Erwachsenen, sondern natürlich auch bei den Kindern eine Rolle. Aufgrund des noch fehlenden Eigenschutzes müssen sie langsam an die Sonne geführt werden.

Wie schützt man denn Kinder optimal vor Sonne?
Kinder sollen zum Spielen das ganze Jahr über raus in die Natur. Die Sonne gibt es auch im Winter. Daran gewöhnt sich die Haut. Regelmäßiges Rausgehen ist also schon einmal eine Art von Sonnenschutz. Aber auch mit Ernährung kann man viel machen. Zum Beispiel mit Karotten. Gott sei Dank lieben Kinder Karotten! Karotten enthalten ganz viele Carotine. Dieser Pflanzenstoff schützt die Melanine und verstärkt den Eigenschutzeffekt der Haut. Doch auch Tomate hat einen ähnlichen Effekt mit ihrem Inhaltsstoff Lycopin. Im Tomatenmark gibt es das Lycopin in hochkonzentrierter Form.  Das stärkt die Haut unwahrscheinlich und schützt vor Sonnenbrand. Nur wenn jemand zu Neurodermitis neigt, ist die Tomate manchmal ein Problem. In diesem Fall sollte man sie nicht roh essen, sondern kochen. Auch eine chlorophyllhaltige Ernährung mit vielen Wildkräutern ist toll, um Sonnenbrand vorzubeugen. Und natürlich gehört auch das Trinken zum Sonnenschutz(magisch leicht wird's mit der bunten Trinkflasche mit Hexe Wawu und ihren Freunden), denn wenn der Wasserhaushalt im Körper stimmt, sind auch die Hautzellen stabil und können den äußeren Bedingungen viel besser trotzen.

Haben Sie noch einen Spezial-Tipp?
Durchaus! Ein wahres Zaubermittel ist Sanddorn-Fruchtfleisch-Öl. Das entsteht, wenn das Fruchtfleisch kaltgepresst wird. Ich habe damit schon viel experimentiert. Es lässt sich nicht gut aus der Kleidung waschen, weil die Farbe Orange ist, aber es ist einfach genial. Schon ein bis zwei Tropfen enthalten Carotine und Vitamin E, unser Hautschutzvitamin, in einer hohen Konzentration. Gibt man diese Tropfen in ein Hautpflege-Öl stärkt es die Haut von außen. Mandelöl ist dabei für Kinderhaut super, weil es ein ganz zartes Öl ist. Zusammen mit dem Sanddorn erhöht es den Widerstand der Haut. Man kann Sanddorn-Fruchtfleisch-Öl aber auch essen. Wir mischen es ins Müsli. Ein, zwei Tropfen genügen für einen zusätzlichen inneren Schutz. Es gibt eine tolle Farbe, ist aber ein bisschen säuerlich im Geschmack, daher unbedingt mit Früchten ausgleichen.

Wir haben uns von innen gestärkt, nun wollen wir raus in die Sonne. Worauf kommt es beim Sonnenschutz für Kinder da an?
Was mir ganz wichtig ist, Kinder bis zum Alter von fast 2 Jahren sollten keine direkte Mittagssonne haben. Da ist der Sonnenbrand schnell vorprogrammiert, weil sie den Eigenschutz der Haut noch gar nicht haben. Und auch für ältere Kinder sind zehn Minuten ungeschützt in der direkten Sonne schon fast zu viel. Die Südländer machen ja immer ihre Siesta da und das ist auch ganz gesund. Wir sollten ebenfalls versuchen eher früh rauszugehen und abends. Es ist nicht nur die Sonnenbrandgefahr, Kinder bekommen auch schnell einen Hitzschlag. Ein schattiges Plätzchen beim Strandausflug ist immer zu empfehlen und selbst im Schatten erreichen uns noch 80 Prozent der Sonnenstrahlen. Das ist jede Menge. Meine Kinder haben auch immer was an. Je dunkler desto besser ist die Strahlenabsorption. Ich kaufe die T-Shirts im Sommer immer viele Nummern größer. Es ist luftiger und bietet einen zusätzlichen Schutz. Dazu noch Hut und Sonnenbrille. Fertig sind die Kinder für den Strand.

Es ging noch gar nicht um die Sonnencreme. Was sollte man auftragen und wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?
Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Sonnencremes. Die eine hat einen chemischen Filter. Treffen Sonnenstrahlen auf die Haut, verwandelt der chemische Filter UV-Strahlen in Wärme um. Dieser Filter braucht mindestens eine halbe Stunde, um zu wirken, daher sollte man sich dringend zu Hause eincremen. Der zweite Filter ist ein mineralischer Filter. Er wirkt wie Mini-Sonnenschirme. Wenn man die Creme aufträgt, hat man eine weiße Haut. Das bewirkt, dass die aufkommenden Strahlen wegreflektiert werden. Dieser Schutz wirkt sofort. Für Kinderhaut würde ich auch immer Sonnencreme mit mineralischem Filter empfehlen, weil der chemische Filter einfach eine Reaktion in der Haut ist. Zusätzlich gibt es auch die UV-Kleidung. Die hat eine ähnliche Textur wie Badekleidung. Meine Kinder tragen UV-Kleidung, wenn sie unterm Sonnenschirm im Sand buddeln.

Wann ist der Schutz weg, wie lange hält der überhaupt?
Nehmen wir einfach mal ein Vorschulkind. Das hat schon einen gewissen Eigenschutz und könnte etwa zehn Minuten ungeschützt in die Sonne gehen und wir tragen einen Lichtschutzfaktor mit 30 auf. Das heißt, das Kind darf 30-mal länger als die zehn Minuten draußen bleiben. Das sind 300 Minuten. Das wären 5 Stunden. Wenn man mit einem Kind 5 Stunden in die Sonne geht, dann ist das Kind erledigt. Das ist jede Menge Holz und es sollte auch nicht in der prallen Sonne sein.

Lautet das Motto beim Eincremen: Viel hilft viel?
Also ein Erwachsener bräuchte zwei Schnapsgläser, um komplett die Haut einzucremen. Ein Kind bräuchte locker eins. Das ist jede Menge. Man sagt ein Quadratzentimeter sollte zwei Milligramm Creme bedeckt sein, das ist viel. Wenn also eine vierköpfige Familie in den Badeurlaub fährt und die Sonnencreme ist danach nicht alle, hat man etwas falsch gemacht. Ich weiß, dass viel weniger gecremt wird, aber man sollte wirklich gucken, dass Arme, Gesicht und Nacken bei Kindern eingecremt werden. Auch die Ohren oder der Spann werden oft vergessen. Überall, wo den Kindern etwas angezogen wird, kann es etwas weniger sein. Geht mein Kind baden und kommt danach wieder raus, ist Creme weg, einfach durch das Wasser. Dann sollte ich schon auch nachcremen. Das heißt aber nicht, dass sich unsere 300 Minuten verlängern, sondern die bleiben immer gleich. Durch das Nachcremen erhalte ich nur diese 300 Minuten aufrecht. Nicht mehr und nicht weniger.

Dann ist der erhöhte Lichtschutzfaktor gar nicht ausschlaggebend für einen höheren Schutz? Und bei sehr heller oder Kinderhaut macht es keinen Unterschied, welchen Lichtschutzfaktor ich nehme?
Nein, beim Lichtschutzfaktor geht es nur um die Verlängerung, nicht um mehr Schutz vor der Sonne. Also, ich benutze für die ganze Familie immer Faktor 30. Der reicht vollkommen aus. Babys würde ich zum Beispiel gar nicht eincremen, die sollten sich im Schatten aufhalten und vor allem durch luftige Kleidung geschützt werden. Ja, ein Schutz ist wichtig, aber bei einem Lichtschutzfaktor von 50 oder gar 100 wird nur mit der Angst der Menschen gespielt und Geld damit gemacht. Das Wichtigste ist halt einfach Aufklärung. Der Lichtschutzfaktor bedeutet: Eigenschutz mal Lichtschutzfaktor ist gleich: maximale Zeit in der Sonne.

Die Verträglichkeit ist dann noch ein anderes Thema und vermutlich sehr individuell, oder?
In der Tat. Ich habe 15 Jahre im Außendienst für eine Kosmetikfirma gearbeitet und schwöre seither auf Naturkosmetik. Sonnenpflege ist dabei immer ein heikles Thema, weil die Produkte in der Herstellung sehr teuer sind und schärferen Auflagen unterliegen. Ich sage meinen Kunden immer: Ausprobieren und das immer auf dem Unterarm. Da ist die Haut ganz dünn und wir reagieren ganz schnell. Deshalb werden an dieser Stelle auch viele Allergien getestet.

Da gibt es ja auch noch neben der Creme viele andere Produkte, die erst einmal praktisch wirken wie Sprays oder Öle. Ist das nur eine andere Form?
Das ist wirklich nur eine andere Form, auch wenn ich kein Freund von Ölen bin. Sprays und Lotionen sind halt sehr leicht, die haben wenig Fettanteile. Der mineralische Filter braucht aber zum Beispiel einen Fettanteil. Meistens haben die Sprays und Lotionen eher einen chemischen Filter. Wenn ich jetzt an den Teenager denke, der mit Akne belastet ist und vielleicht eine eher fettige Haut hat, für den ist natürlich der mineralische Filter mit einem hohen Fettanteil im Gesicht nicht das Optimalste. Da muss man dann nach Alternativen schauen. Aber für kleine Kinder würde ich wirklich einen mineralischen Filter empfehlen. Eine Creme, die vielleicht auch ein bisschen zähflüssiger ist, dann sieht man auch, wo man gecremt hat und wo nicht.

Muss man beim Cremen noch etwas beachten?
Wenn wir Sonnencreme aufgetragen haben, müssen wir die abends bitte auch abwaschen. Nicht nur das Salzwasser vom Meer, das Chlor vom Schwimmbad, sondern auch die Sonnencreme muss runter. Es ist auch für den Körper einfach eine Reinigung vom Tag und eine Abkühlung von außen, aber die Sonnenpflege geht runter. Und was ich noch vergessen habe, die Tube vom Vorjahr bitte nicht verwenden. Bitte immer eine neue nehmen, der Schutz wirkt sonst nicht mehr. Die Mindesthaltbarkeit liegt bei etwa 12 Monaten für Sonnencremes und sie sollten einen UVA und UVB-Schutz haben. UVB-Schutz muss sein, aber UVA sind sogar die gefährlicheren. Wenn wir die zu viel auf der Haut haben, könnte das in vielen, vielen Jahren Hautkrebs sein. Und die Hautkrebsrate steigt sehr stark an, leider und vor allem nicht der schwarze, sondern der weiße Hautkrebs, den wir gar nicht sehen.

Wenn man dann doch zu lange draußen war, wie rettet man die Haut bei einem Sonnenbrand?
Wir machen zunächst mal die harte Variante. Wenn Sie merken, dass das Kind müde und nicht mehr ganz bei sich ist, nicht mehr richtig reagiert und keinen Hunger hat, dann ab zum Arzt. Dafür muss ihr Kind nicht einmal sehr rot sein. Das Gleiche gilt bei Blasenentwicklung auf der Haut. Ob das jetzt der Sonnenstich oder Sonnenbrand ist, die Haut verliert unwahrscheinlich viel Wasser und das Kind kann gar nicht so schnell nachtrinken. Da ist man beim Arzt in den sicheren Händen. Aber wir wollen es ja nicht so weit kommen lassen. Ganz wichtig, wenn man merkt, man bekommt zu viel Sonne: Hinein ins kühle Haus, ganz viel trinken und lauwarm duschen. Auch ein kühler Waschlappen ist eine gute Idee. Einfach kurz auflegen, damit der Haut wieder Feuchtigkeit zurückgegeben wird. Das Wasser kann auch 1:1 mit Essig vermischt werden. Essig hilft zu kühlen, er desinfiziert auch und Rötungen werden gemildert. Dann gibt es noch die Aloe Vera Pflanze. Die sollte jeder zu Hause haben. Das Gel der Pflanze beruhigt und wirkt wundheilend. Auch Joghurt oder Quark helfen bei Sonnenbrand. Einfach Quark in ein Küchenkrepp geben, einschlagen und auflegen. Wenn man den Quark pur aufträgt, fängt er irgendwann an zu bröseln. Dann müssen wir ihn runterschrubben und reizen die Haut damit wieder. Ätherisches Lavendelöl wirkt ebenfalls entzündungshemmend und wundheilend. Lavendel ist DIE Heilpflanze in der Kinderheilkunde. Lavendel ist gerade im Sommer genial.

 


 

Steckbrief: Kerstin Hiemer

Kerstin Hiemer ist die Familien-Gesundheits-Expertin rund um das Thema „gesunde Haut“ und hilft Mamas von Kindern mit empfindlicher Haut, aus der Juck- und Kratzspirale herauszukommen und rein in ein normales Hautgefühl mit Harmonie und Wohlbefinden.

Kerstin-Hiemer_klein

Mein Lieblingsplatz mit Kind…
überall wo meine Kinder sind.

Welche magische Kraft hätten Sie als Mutter gern?
Spontan immer die richtige Lösung zu haben.

Wann haben Sie Ihre Kinder zuletzt verzaubert?
Jeden Tag verzaubern mich meine Kinder und ich sie, mit ganz vielen kleinen Dingen im Alltag. Gestern haben wir in der Mittagshitze, „Siesta“ gehalten und uns gegenseitig eine Rückenmassage gegeben.

Ihre größte Stärke als Mutter?
Dass auch ich mich als Mama jeden Tag neu in meiner Mutterrolle finden und wachsen darf.

Was möchten Sie anderen Eltern mit auf den Weg geben?
Auf sein Bauchgefühl zu achten und auch darauf zu vertrauen.

Kerstin Hiemer im Internet:
www.kerstin-hiemer.de

Foto:  Bianca Stegmiller Fotografie
Text: Anne Breitsprecher

Mehr Tipps rund um die gesunde Ernährung von Deinem Kind findest Du im Artikel unser Ernährungsexpertin: https://www.hexe-wawu.de/blog/fuer-eltern/brot-mit-belag-ist-langweilig

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