Schlaftipps für Sommertage

Die Sommerzeit ist nicht gerade die beste Schlafenszeit, weder für Dich, noch für Dein Kind. Es ist warm und noch sooo hell... Einige Lösungsansätze für einen erholsamen Schlaf an warmen Sommertagen stellt Schlafcoach Nicole Willms in unserem Interview vor. 

 

Wie können Eltern ihre Kinder trotzdem zur gewohnten Zeit zum Schlafen bewegen?

Die wohl einfachste Lösung ist es, das Zimmer mit Rollos oder Verdunklungsvorhängen auszustatten, denn Fakt ist: Die Dunkelheit unterstützt unseren Körper bei der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.

Außerdem ist eine regelmäßige Abendroutine eine super Vorbereitung auf das Schlafen gehen, denn der täglich gewohnte Ablauf lässt die Kleinen wissen, dass ein aufregender Tag zu Ende geht und sie sich ihre Portion Erholung gönnen dürfen. Sofern Dein Kind die Fähigkeit besitzt, selbstständig in den Schlaf zu finden, mag es tatsächlich freiwillig ins Bett gehen, wenn es merkt, dass es müde wird. Sie haben einfach den Genuss am Schlafen entdeckt. 

 

Wie kann so eine Abendroutine aussehen?

Nach dem Abendessen darf gerne noch etwas gespielt werden, zum Abschluss möglichst etwas ruhiges - quasi als „Cool-down-Phase“. Anschließend geht es ab ins Bad zum Waschen, Zähne putzen und zum Toilettengang. 

Der schicke Schlafanzug wird im Kinderzimmer angezogen und es folgt noch ein Abendritual, wie z.B. eine Gute-Nacht-Geschichte oder ein Hörspiel. Um das eben genannte Hormon Melatonin nicht zu unterdrücken, sollte hierbei auf weißes Licht von Handy, Tablet & Co. verzichtet werden. 

Ich empfehle meinen Kunden immer, die Abendroutine möglichst jeden Tag zur selben Uhrzeit zu beginnen. Außerdem bringt es oftmals mehr Ruhe rein, wenn ab der Badhygiene nur ein Elternteil übernimmt – natürlich darfst Du Dich mit deinem Partner auch mal abwechseln.

 

Was hilft gegen die sommerlichen Temperaturen im Zimmer?

In diesem „Super-Sommer“ wird es nicht nur im Dachgeschoss unerträglich heiß, auch eine Erdgeschosswohnung heizt sich schnell auf. Sofern möglich, solltest Du Rollos und Vorhänge am Tag geschlossen lassen. Das Lüften in den frühen Morgenstunden bzw. am Abend hilft, sofern die Außentemperatur unter der Zimmertemperatur liegt. Du kannst das Bett vor dem Schlafen mit Wasser benebeln – das wirkt wahre Wunder. 

Wir legen bei uns Zuhause auch gerne feuchte, gekühlte Handtücher unter das weit geöffnete Fenster. Die Wirkung tritt allerdings nur ein, wenn draußen ein Lüftchen weht und damit die kondensierte Luft ins Zimmer getragen wird. An einem windstillen Sommerabend kann natürlich auch mit einem Ventilator nachgeholfen werden. Bitte achte aber immer auf die Sicherheit, denn kleine, neugierige Kinderfinger passen sehr gut durch das Schutzgitter des Ventilators!

 

Wie in jedem Sommer beginnen auch dieses Jahr wieder viele Kinder einen neuen Lebensabschnitt im Kindergarten oder in der Schule. Welche Auswirkungen sind durch diesen veränderten Lebensabschnitt in Bezug auf das Schlafen zu erwarten?

Für einige Kinder ist es total spannend und anstrengend, so dass sie abends k.o. ins Bett fallen und nachts direkt besser schlafen können als zuvor. Häufig kann es in der ersten Zeit aber auch zu unruhigen Nächten kommen, denn es muss einfach so viel Neues verarbeitet werden. Vielleicht schreit Dein Kind im Schlaf auf oder ruft nach Mama oder Papa. Diese Phase lässt sich am besten überstehen, wenn Du Deinem Kind ganz viel Nähe und Aufmerksamkeit schenkst. Am Nachmittag ist dann Spiel- und Kuschelzeit angesagt, um ganz viel Mama und Papa „nachzutanken“. Natürlich muss nebenher auch noch der Haushalt gemacht oder zumindest das Abendessen gekocht werden, aber auch hier lässt sich die Eltern-Kind-Zeit super umsetzen. Besonders in der Küche helfen die Kleinen gerne mit. Sie können das Gemüse waschen und es je nach Alter auch schon klein schneiden. 

Positiver Nebeneffekt: Das selbst gemachte Essen schmeckt umso besser oder regt Deinen Gemüsemuffel wenigstens zum Probieren an.

 

Neben dem neuen Alltag in Kita oder Schule kann auch ein Geschwisterchen das Leben eines Kindes auf den Kopf stellen. Welche Auswirkungen kann der Familienzuwachs auf das Schlafverhalten Deines Kindes haben?

In jeder Familie muss sich der Alltag neu einspielen. Die Rollenverteilung ändert sich, der oder die Erstgeborene darf sich nun große Schwester oder großer Bruder nennen. Anfangs ist das meistens noch ganz cool und es kommt Stolz auf. Doch ein Kind kann sich schnell vernachlässigt fühlen. Das ist von den Eltern natürlich nicht beabsichtigt und fällt ihnen im ungewohnt neuen Familienchaos auch nicht unbedingt sofort auf. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass das ältere Kind nun auch wieder mehr Nähe sucht. In der Nacht wacht es möglicherweise häufiger auf bzw. ruft nach Mama oder Papa. Vielleicht kommt es in der Nacht auch mal zu Dir ins Bett. 

Das Familienbett ist natürlich eine super Gelegenheit, um allen Familienmitgliedern gerecht zu werden. Es gibt auch tolle Anleitungen, um ein riesiges Bett zu bauen, in dem alle Platz finden. Das Familienbett schließt auch das Durchschlafen nicht aus. Trotzdem ist diese Form der Schlafsituation nicht für jede Familie geeignet. Teilweise schlafen die Kinder sehr unruhig oder jemand schnarcht, so dass nicht alle zu ihrer benötigten Ruhe kommen. Hier liegt es in Deinem Ermessen, wie Du es individuell für Deine Familie handhaben möchtest. 

Sobald Dein älteres Kind spürt, dass es nun nicht weniger wert ist, sondern nur mit dem Geschwisterchen teilen muss, wird es meistens leichter. Wenn wir selbst den Kleinsten erklären, was sich nun verändert und warum das so ist, verstehen sie schon eine ganze Menge. Die Großen können in viele alltägliche Dinge mit einbezogen werden, um sich zugehörig und gebraucht zu fühlen. Sie können sich z.B. mit Dir ein Buch anschauen, während der Nachzügler gestillt wird. 

Mit der Zeit spielt sich das alles ein und Du findest heraus, wie Du Deinen Kindern gerecht werden kannst und was ihnen gefällt. Viel Kuschelzeit am Tag macht die Nächte in der Regel wieder ruhiger. Kinder, die zuvor in ihrem eigenen Bett geschlafen haben, legen sich gerne dort zur Ruhe und genießen ihr eigenes Reich.

 

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Über Nicole Willms:

 

Nicole_Willms_privat

 

Wie sind Sie zum Schlafcoaching für Babys und Kleinkinder gekommen?

Mein Sohn (mittlerweile 1,5 Jahre) war schon von Geburt an ein schlechter Schläfer. Er hat am Tag selten länger als 30 Minuten geschlafen. Am besten hat es im Kinderwagen oder in der Trage geklappt, sofern Bewegung im Spiel war. In der Nacht war er auch zig mal wach, um gestillt zu werden und um auf mir weiter zu schlafen. Auf Dauer war es leider für uns beide wenig erholsam und irgendwann konnte ich so nicht mehr weitermachen. Also habe ich viel im Internet recherchiert und bin auf ein Schlafcoaching gestoßen. Hier wurde auch gerade eine Ausbildung zum Coach angeboten, so dass ich mich dazu berufen fühlte, nicht nur uns damit zu helfen, sondern auch andere Familien wieder zu ruhigen Nächten zu begleiten.

 

Ist das Coaching mit einem Schlaftraining zu vergleichen?

Nein, hier geht es nicht darum, dem Kind etwas anzutrainieren, sondern dem Kind zu helfen, den Genuss am Schlafen zu finden. Jedes Kind ist individuell – Gott sein Dank! – und dem entsprechend ist auch jeder Weg ein anderer. 

Die 0815-Ratgeber, wie „Lass Dein Kind schreien, es wird es lernen!“ sind etwas ganz anderes, unnatürliches. In meinem Coaching wird individuell auf jedes Kind eingegangen. Es wird ein liebevoller Weg gewählt, der genau zu den Bedürfnissen Deines Kindes passt, um selbstständig und altersgerecht ein- und durchschlafen zu können.

 

Was würden Sie sich in Bezug auf das Mama-sein wünschen, wenn Sie zaubern könnten?

Ich würde mir eine Zeitreise wünschen, in der ich mich schon früher dem Thema Babyschlaf gewidmet hätte. So hätte ich das erste Jahr als Mama mehr genießen können. 

 

Ihr Lieblingsplatz mit Kind...

Das ist definitiv unser Garten. Wir haben einen relativ großen Garten, in dem ich mehrere Blumenbeete angelegt habe. Wir lieben es gemeinsam die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge zu beobachten. Nicht selten schaut auch eine Rehfamilie bei uns vorbei.

 

Wann haben Sie ihr Kind zuletzt verzaubert?

Heute morgen als ich ihm auf den Bauch gepustet habe. Er liebt das Kitzeln und die „Pupsgeräusche“. Sein herzliches Lachen verzaubert gleichzeitig auch mich – als stolze Mama.

 

Ihre größte Stärke als Mama?

Ich traue meinem Sohn so viel wie möglich zu, damit er zu einem selbstbewussten jungen Mann heranwächst. In manchen Situationen bedarf es dann meiner inneren Überzeugung, dass er sein Vorhaben alleine schafft – und dass er meine Überzeugung auch spürt.

 

Was möchten Sie den Eltern mit auf den Weg geben?

Schenk Deinen Kindern immer ein offenes Ohr und ein offenes Herz. Nimm Dir Zeit für die Kleinen, denn die Zeit, in der sie „glauben“ uns zu brauchen, ist viel zu kurz. Der Kinderschlaf kann uns Eltern den letzten Nerv rauben und den Genuss am Eltern-sein nehmen. Wir unterstützen unsere Kinder beim Laufen lernen und sprechen, aber mit dem Schlaf lassen wir sie leider oftmals im Stich. Doch mit kleinen Hilfestellungen kannst auch Du Dein Kind dabei liebevoll unterstützen. 

 

Nicole Willms im Netz:

Website: https://www.schlafeinbaby.de/

 

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Fotos: privat | Pixabay: Pezibear

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