Natur: Ein magischer Ort für Kinder

Barfuß durch die Johannisbeeren in Opas Garten oder einfach mal dreckig machen. Das scheinen Bilder längst vergangener Tage zu sein. Die Zeiten ändern sich. Der Druck auf Eltern und Kinder steigt, andere Fähigkeiten gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dabei gerät die Natur oft in Vergessenheit und das obwohl es ein magischer Ort voller Freiheit ist. Wie man die Natur mit Kind ganz leicht genießen kann, verrät Naturpädagogin Mirjam Bombis im Interview.
 
Warum macht draußen sein glücklich?
Das ist witzig. Es gibt nämlich ohne Ende wissenschaftliche Studien, über die positive, entspannende Wirkung von Waldspaziergängen und Natur ganz allgemein auf den menschlichen Körper. Wie die Mechanismen genau funktionieren, WARUM draußen sein glücklich macht, ist aber immer noch ein Geheimnis der Natur. Fakt ist: Zeit im Grünen macht was mit uns. Schon evolutionsbedingt steckt die Erfahrung in uns, dass Natur guttut. Je mehr wir uns davon entfernen, desto anfälliger sind wir beispielsweise für Ängste. Für Kinder, die noch nie auf dem Land waren, ist ein Waldspaziergang super aufregend. Doch die Chance, dort ganz eigene Spiele zu entwickeln, und Natur zu spüren, zu riechen, das sind Dinge, die glücklich machen.
 
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Warum ist es gerade für Kinder wichtig, die Natur zu erleben?
Kinder sind Sinneswesen. Je kleiner sie sind, desto mehr lernen sie durch sinnliche Erfahrungen und die sollten möglichst vielseitig sein. Die Natur bietet das, man muss nichts kaufen oder arrangieren. Außerdem bestimmen die Kinder die Regeln dort selbst, anders als zum Beispiel auf einem Spielplatz. Auf einer Schaukel, einer Rutsche oder Wippe gibt es nur begrenzt Möglichkeiten, von den Regeln abzuweichen. Und wenn doch jemand mal die Rutsche falsch herum hinaufklettert, dauert es bis zur Zurechtweisung meist nicht lang. Dabei wollen Kinder die Dinge weiterentwickeln. In der freien Natur sind die Regeln nicht mehr so klar. Kinder können sich frei entfalten, intensiver spielen und auch ihre Motorik schulen. Schließlich läuft es sich auf einem unebenen Waldboden auch ganz anders.
 
Wie viel Natur gehört in den Alltag einer Familie?
Ich habe mal gelesen, dass drei bis vier Stunden ‚Freilauf‘ am Tag für Kinder empfohlen wurden. Das ist natürlich schwierig und für viele Familien unrealistisch. Doch es muss auch nicht immer gleich das volle Programm aus Schnitzen, Plumpsklo und Lagerfeuer sein. Man muss sich seinen Alltag nur aufmerksam anschauen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich mit Natur zu verbinden. Dabei kann schon eine kleine Dosis Großes bewirken. Auf dem Weg zum Kindergarten lässt sich zum Beispiel sicher ein Baum finden. Betrachtet man diesen genauer und über einen längeren Zeitraum, erkennt man, dass er sich mit den Jahreszeiten verändert. Auch das bewusste Spüren des Windes oder ein Blick in die Wolken und achtsames Wahrnehmen können Kindern helfen, sich mit der Natur zu verbinden.
 
Nicht jede Familie wohnt im ländlichen Raum. Wie lassen sich Naturerlebnisse auch in der Stadt finden?
Allen Stadtmenschen möchte ich an dieser Stelle erst einmal Mut machen: Ihr lebt in einem biologischen Hotspot! Die Artenvielfalt in den Städten ist nämlich viel höher als auf dem Land, beispielsweise, wenn es um Vögel geht. Die sind immer da, selbst im wildesten Trubel. Auf Tauben, Krähen und Spatzen kann man sich verlassen. Sie lassen sich super beobachten. Und selbst zwischen den Pflastersteinen oder an Hausfassaden wachsen Pflanzen und laden zum Entdecken ein. Allein die Frage „Was wächst in unserer Straße?“ kann ein toller Anlass für eine Spurensuche sein. Natürlich kann man sich Natur auch nach Hause holen. Für einen Topf Pfefferminze ist immer Platz, Bohnen oder Kapuzinerkresse können ganz leicht gesät werden. Einfach aufs Fensterbrett stellen, regelmäßig gießen und staunen.
 

 
 
EXKLUSIVES FRÜHLINGS-BINGO von Mirjam Bombis
 
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Wann merkt man, dass Kinder an die frische Luft müssen?
Wenn es anstrengend wird (Anm. d. Red.: Lacht). Es gibt einige Kinder, die sind einfach nicht prädestiniert dafür, lange drinnen zu sein. Oftmals können sie sich wieder besser konzentrieren, nachdem sie im Grünen waren. Rausgehen ist auch immer eine gute Idee, wenn sich Kinder richtig doll langweilen. Draußen können sie sich was einfallen lassen. Manchmal ist das eine Frage der Übung. Wichtig ist dabei, dass Eltern die Hände auch mal in der Hosentasche lassen und ihren Nachwuchs voller Vertrauen machen lassen. In der Regel klettern Kinder nicht so hoch, dass sie nicht auch wieder herunterklettern könnten.
 
Wie kann man Kindern den Spaß an Entdeckungstouren vor der Haustür vermitteln? Wie motiviert man sie?
Ein Ritual kann helfen. Wenn es einen festen Tag gibt, dann ist es einfach normal. Natürlich muss das Ritual in den Familienalltag passen. Ein guter Trick ist es auch, die Kinder den Weg bestimmen zu lassen – aber nur, wenn man sich als Erwachsener auch wirklich führen lässt. Das erhöht die Motivation und macht sie stolz. Manchmal ist es auch eine liebevolle Ansage, die dem Kind suggeriert: Ich möchte rausgehen und ich möchte, dass du mit mir kommst, weil du mir wichtig bist. Oder man steigert die Neugier mit der Frage „Mal schauen, was wir finden können“. Kinder sind die tollsten Finder.

 
 
Steckbrief: Mirjam Bombis
 
Mirjam Bombis ist Naturpädagogin, Mama, Weltentdeckerin und Ideensammlerin. Mit Ihrem Blog „Natur mit Kind“ hilft sie Familien mehr Natur in ihren Alltag zu bringen.
 
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Mein Lieblingsplatz in Berlin mit Kind…
Die vielen Parks und Wälder, ganz besonders in Kombination mit dem Wasser. Konkret: Unser kleiner Badestrand am Havelufer.
 
Wann haben Sie sich in Erziehungsfragen das letzte Mal gewünscht, zaubern zu können?
Letzte Woche, als es ums Hausaufgaben machen ging: Manchmal wünsche ich mir, ich könnte da das Streben nach Perfektion wegzaubern.
 
Und wann haben Sie Ihre Kinder zuletzt verzaubert?
Wir versuchen immer wieder, kleine Glücksmomente in unseren Alltag einzubauen und uns gegenseitig kleine Freuden zu machen. Das ist dann auch einfach die Tasse Tee, die man serviert bekommt mit ein paar lieben Worten dazu, die gerade gut tun.
 
Ihre größte Stärke als Mutter?
Optimismus, den ich meiner Tochter weitergeben kann, und der starke Glaube an mich selbst und meine Fähigkeiten – ich hoffe, damit bin ich meinem Kind ein Vorbild.
 
Was möchten Sie Eltern mit auf den Weg geben?
Lasst die Kinder raus, und lasst sie machen! Oft kann es Wunder wirken, wenn wir unseren Kindern vertrauen, ihnen Räume zur Entfaltung eröffnen und uns ehrlich bemühen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Und: traut Euch, der Natur mehr Raum (und Priorität) im hektischen Alltag einzuräumen. Wir müssen nicht immer alles wissen und zeigen können: Kinder brauchen uns vor allem als Begleiter, nicht als Lehrer.
 

Mirjam Bombis Internet Zuhause:
naturmitkind.de
 

Text: Anne Breitsprecher
Fotos: © pikselstock - Fotolia.com/Natur mit Kind

 

 
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