Mit Glückspunkten gegen das Spiele-Chaos

Ordnung ist das halbe Leben - ein Spruch, so alt wie die Auseinandersetzungen im Kinderzimmer, wenn es um das Aufräumen geht. Dabei tut Ausmisten gut, ist Tanja Hug alias Mrs Happy überzeugt, egal in welchem Alter. In dieser Ausgabe von "Experten im Interview" gibt die Feng Shui-Beraterin magische Tipps gegen Spielzeug auf dem Fußboden und für mehr Freude an Ordnung.
 
Wie viel Ordnung braucht der Mensch und warum?
Ordnung gibt Klarheit, Fokus und Struktur und das fühlt sich im stressigen Alltagsgetümmel häufig sehr gut an. Ausserdem gehören innere und äussere Ordnung ganz eng zusammen. Wenn unser Kopf vollgestopft ist, uns alles zuviel wird, hilft es oft, im Aussen (im Zuhause, in unseren Räumen) für Ordnung zu sorgen – so klären sich dann auch die Dinge im Inneren. Anders herum funktioniert es auch, ist jedoch oft herausfordernder. Doch natürlich ist es trotzdem eine ganz individuelle Geschichte. Jeder hat ein anderes Ordnungsbedürfnis – wichtig ist es deshalb immer, den Grad an Ordnung zu finden, der zum eigenen Wohlbefinden beiträgt, mit dem man sich so richtig wohlfühlt und der zum persönlichen Lebensstil passt.
 
Brauchen Kinder mehr Ordnung als Erwachsene?
Nicht unbedingt mehr Ordnung. Doch es ist wichtig, dass sie ein gesundes Ordnungs-Bewusstsein mit auf den Weg bekommen. Wenn sie von Anfang an lernen, dass ein aufgeräumtes und ordentliches Zuhause etwas sehr Schönes ist, dann fällt es ihnen auch als Jugendliche und Erwachsene leichter, Ordnung zu halten. Ist ja was Gewohntes. Und ich spreche jetzt nicht von Schöner-Wohnen-Räumen, in denen man sich nicht mehr getraut, etwas anzufassen, weil Unordnung entstehen könnte. Ich spreche von einer gemütlichen Wohlfühl-Ordnung, die für alle Familienmitglieder stimmig ist und passt, in der jeder seinen Platz findet.
 
Wie lässt sich der Sinn für Ordnung lernen und in welchem Alter fängt man damit am besten an?
Am besten so früh wie möglich. Und am besten dadurch, dass man selbst ein gutes Vorbild ist. Wenn es für die Eltern ganz selbstverständlich ist, Ordnung zu halten und mit Spass und Freude aufzuräumen (ich weiss, das fällt manchmal schwer), ist es auch für die Kinder leichter, Ordnung zu halten. Kleine Gewohnheiten (zum Beispiel am Abend direkt nach dem Spielen) und begrenzte Aufräumzeiten (5 bis 10 Minuten sind schon sehr wirkungsvoll) helfen dabei richtig gut.
 
Das Kinderzimmer ist oft Abenteuerspielplatz und Ruhezone in einem. Welches Ordnungsprinzip ist geeignet, damit ein Kind dort Spaß und Entspannung gleichermaßen genießen kann?
Ja, und das ist auch so wichtig und soll auch beides seinen Platz finden. Wenn jedoch alles ineinander übergeht, ist es für das Kind häufig schwierig, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Kein Wunder, wenn es gerade grosse Abenteuer erlebt hat und jetzt plötzlich schlafen soll, passt das nicht so richtig zusammen. Hier hilft es, spezielle Bereiche oder Zonen zu schaffen. Das heisst, es gibt einen Bereich, in dem das Kind aktiv ist und wunderbare Abenteuer erlebt. Und dann gibt es einen anderen Bereich, in dem die Ruhezone ist, in dem das Kind entspannen, abschalten und träumen kann. Vielleicht gibt es auch noch einen weiteren Bereich fürs Lernen und konzentrierte Arbeiten, wenn das Kind bereits in der Schule ist. Jetzt ist das Kinderzimmer natürlich nicht unendlich gross, doch spezielle Bereiche kann man auch in kleineren Zimmern einrichten und gestalten. Wie das geht? Durch visuell gestaltete Zonen – das kann zum Beispiel durch Raumtrenner sein, durch Farben, durch Teppich-Inseln, durch Vorhänge, durch geschickt platzierte Kommoden, Regale oder Schränke. Vielleicht malt sich das Kind auch noch ein Schild für jeden Bereich, so dass es ganz glasklar wird. Grundsätzlich gilt natürlich auch, dass visuelle Ordnung sehr hilfreich ist. Das kann mit Hilfe von Schränken sein, deren Türen man schliessen kann, durch gleichartige Ordnungsboxen oder durch Vorhänge für Schränke oder Regale.
 
Standartsituation: Das Spieleangebot im Kinderzimmer bietet unzählige Möglichkeiten – vor allem auf dem Fußboden. Wie begeistert man sich und sein Kind für das Aufräumen?
Ein freier Fußboden signalisiert immer auch ein Gefühl von Freiraum und Hindernishüpfen ist oft anstrengend. Aus Feng Shui Sicht spricht man auch davon, dass man es sich dadurch im Leben unnötig schwer macht. Doch die meisten Kinder sehen eher den Spass und Hüpfen ist ja auch richtig lustig. Wie macht man seinem Kind jetzt klar, dass Aufräumen und Ordnung schaffen ebenfalls Spaß macht? Wenn Spiel- und Abenteuerbereich eingerichtet wurde, beschränkt sich das Spiele-Chaos auf einen kleineren Bereich. Das ist schon mal die erste Hürde.

Hier noch 6 weitere Tipps & Ideen:
  1. Mit gutem Vorbild vorangehen. Wenn das Kind sieht, dass Mama und Papa regelmässig aufräumen (und Spass dabei haben), lädt das zur Nachahmung ein.

  2. Eine Aufräum-Party veranstalten. Das Kind miteinbeziehen und ein kleines Spiel oder eine lustige Party daraus machen. Vielleicht räumen wir mal tanzend auf oder wir spielen, wer hat als Erster 5 Dinge zurück an seinen Platz gebracht. Mit Spass und Leichtigkeit geht einfach alles viel besser.

  3. Ordnungsboxen bereitstellen, so dass das Aufräumen leicht fällt und das Kind weiß, wohin die Dinge versorgt werden können. Je einfacher wir das Aufräumen machen, umso leichter ist es, Ordnung zu halten.

  4. Schritt für Schritt vorgehen. Immer mit kleinen Bereichen starten. Heute machen wir es den Kuscheltieren gemütlicher. Morgen sortieren wir die Bücher. Am Wochenende dann die Malstifte und Bastelmaterialien.

  5. Glückspunkte verteilen. Für jede Aufräum-Aktion gibt es einen Glückspunkt. Nach 10 Glückspunkten dann eine Mini-Belohnung.

  6. Gute Gewohnheiten schaffen. Zum Beispiel, dass jeden Tag 5 Minuten direkt nach dem Spielen aufgeräumt wird, dass das Bett gemacht wird, dass die schmutzigen Klamotten direkt in den Wäschekorb wandern.

Und natürlich ist es wichtig, auch regelmässig auszumisten, so dass gar nicht mehr so viel aufgeräumt werden muss. Dinge, die kaputt sind oder mit denen das Kind nicht mehr spielen möchte, werden aussortiert. Vielleicht geht man mal gemeinsam auf den Flohmarkt oder spendet Spielzeug für kranke Kinder oder Kinderheime.
 
Wie geht man vor, wenn die Motivation schon mal geschafft ist?
Ganz klar ist, dass wir selbst und auch die Kinder nicht jeden Tag gleich motiviert sind. Manchmal wollen wir einfach nicht. Und das ist auch okay so. Dann wird eben mal an einem Tag nicht aufgeräumt. Davon geht die Welt ganz bestimmt nicht unter. Am nächsten Tag startet man dann einfach wieder aufs Neue. Man kann sich zum Beispiel 5 bis 10 Minuten Aufräum-Zeit geben. Hierzu wird ein Timer gestellt, so dass niemand schummeln kann. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wieviel in dieser vermeintlichen Mini-Zeit erreicht werden kann.
 
Trennungen können schwer sein, auch wenn es um vergessenes und kaputtes Spielzeug geht. Gibt es einen Weg, seinem Kind den Abschied zu erleichtern?
Ja, hier habe ich zwei schöne Tipps. Man könnte sich von dem Spielzeug mit einem kleinen liebevollen Ritual verabschieden oder dem Kind sagen und zeigen, dass das Spielzeug (natürlich nur, wenn es noch gut ist), ein neues Zuhause findet. Vielleicht bei einem Kind, das kaum oder keine Spielzeuge hat. Kinder sind häufig so liebevoll und empathisch und möchten gerne Freude schenken. Und Kinder, die viel weniger haben, freuen sich noch riesig über die Gabe.
 
Wie oft sollte man Ausmisten und wann merkt man, dass es Zeit dafür ist?
Spätestens dann, wenn man sich unwohl fühlt mit dem vielen Kram. Ich bin ein grosser Fan davon, in kleinen, machbaren Schritten vorzugehen. Sich also lieber häufiger mal kleine Bereiche vorzunehmen und diese dann auch wirklich gründlich auszumisten, als alles auf einmal machen zu wollen, dann aber nie die Zeit dafür zu finden, weil der Berg so riesig erscheint. Frei nach dem Motto: (Unperfekt) getan ist besser, als perfekt abgewartet.
 

 
Steckbrief: Tanja Hug alias Mrs. Happy
 
Tanja Hug ist CQM und Feng Shui Beraterin. Als Mrs Happy unterstützt sie Menschen beim Gestalten eines echten Wohlfühlzuhauses.
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Wann haben Sie sich in Ordnungsfragen das letzte Mal gewünscht, zaubern zu können?
Pssst, das jetzt bitte nicht weiter verraten, doch ich habe natürlich einen Zauberstab, denn Ordnung schaffen, aufräumen, ausmisten und Platz zu schaffen für die Dinge, die uns wirklich wichtig sind im Leben, ist immer wieder magisch. Plötzlich klären sich Gedanken, stoppen festgefahrene Gedankenkarusselle, neue Türen öffnen sich und es entsteht Platz für all die Dinge, die wir uns sehnlichst wünschen.
 
Ihre größte Stärke als Mrs Happy?
Eine stärkende Wohlfühlumgebung war mir schon immer sehr wichtig. Wenn ich etwas tue, suche ich immer nach Wegen, wie es einfacher und leichter gehen könnte. Und finde diese Wege auch immer. Diese beiden Stärken verbinde ich nun. Mit meinem Mrs Happy Wohlfühlzuhause-Coaching und meinem Online-Kurs, der demnächst kommt, möchte ich genau das weiter geben und meine Kunden unterstützen, ein Zuhause zu gestalten, in dem sie Energie tanken können, das Sie bei Ihren Wünschen und Zielen unterstützt und in dem sie sich rundum wohlühlen. Und bei Mrs Happy (wie könnte es anders sein) geht es natürlich auch immer irgendwie ums Glück – darum, die großen und kleinen Glücksmomente im Alltag wahrzunehmen und zu genießen.
 
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