Hexe Wawu und die Magie des Reimens

Marluka, marlaka Schneckenschleim, was wären Hexe-Wawu-Bücher ohne Reim? Das haben wir Nicole Dittmann gefragt. Die Logopädin aus Neubrandenburg hat sich das Buch um die kleine rothaarige Zauberin mal genauer angeschaut. Warum das Hexen-Abenteuer nicht nur spannend ist, sondern auch die Entwicklung der Kinder fördert, hat sie uns im Interview verraten.

Wie hast Du das erste Mal von Hexe Wawu erfahren?
Ich habe das Buch das erste Mal im Kindergarten entdeckt. In meinem Beruf bin ich ja des Öfteren in Integrationskitas unterwegs. Gleich mehrere Kinder haben mich darauf angesprochen. Ein Kind erzählte mir, dass er mit Hexe Wawu böse Träume vertreibt. Ich gebe zu, es hat einen Moment gedauert, bis ich wusste, dass es sich um ein neues Kinderbuch handelt. (lacht)

Sind Kinderbücher ein fester Bestandteil Deiner Arbeit?
In unseren Therapiestunden arbeiten wir selten mit Büchern, aber natürlich gerade bei kleinen Patienten mit vielen Geschichten. Doch alleine für den Warteraum unserer Praxis schauen wir immer auch nach neuen Veröffentlichungen für Kinder, die nicht nur toll gestaltet sind, sondern auch aus sprachlicher Hinsicht einen Mehrwert bieten und eine gute Aussage haben.

Was hat Dir an „Hexe Wawu und der verschwundene Traumbesen“ besonders gut gefallen?
Ich war fast erstaunt, dass die komplette Geschichte gereimt ist. Das kommt gar nicht so oft vor. Auch wenn unterschiedliche Reimformen genutzt werden, animieren sie beim Vorlesen doch zum Mitmachen. Die Erwachsenen können den Reim beginnen und die Kinder raten dann wie er endet. Das macht Spaß und ist ganz nebenbei eine tolle Übung. Außerdem gibt es in dem Buch wahnsinnig viele gute Vergleiche. Das ist sehr gut für die sprachliche Entwicklung der Kinder. Insbesondere der Wortschatz wird erweitert und das phonologische Bewusstsein gestärkt.

Das klingt spannend, was ist das genau?
Ja, das war vielleicht ein wenig zu therapeutisch ausgedrückt. Beim phonologischen Bewusstsein geht es um ein Gefühl für den Klang der Wörter, für die Silben als Teil von Worten und letztlich um die einzelnen Laute der Wörter. Dieses Bewusstsein hilft Kindern beim Sprechen, Schreiben und Lesen lernen.

Aber inwieweit hilft das bei Sprechstörungen, wie dem Stottern?
Stotternde Kinder atmen häufig nicht richtig gleichmäßig. Das sogenannte Sprechzeichnen hilft dabei, ein Rhythmusgefühl und einen guten Sprechfluss zu entwickeln. Wir wiederholen dann Sätze wie „Ruhig und still geht’s wie ich will“ und zeichnen dazu, zum Beispiel eine liegende Acht oder andere Kunstwerke . Das entspannt, schult die Rhythmik und die Motorik. Rhythmus ist wirklich Trumpf. Bei Kindern kann es helfen, das Stottern flüssiger zu machen.

Wann sollte man sich an einen Arzt wenden, wenn ein Kind stottert?
Kinder entwickeln Redeunflüssigkeiten am häufigsten im Vorschulalter zwischen 4 und 6 Jahren. Stotterer wissen genau, was sie sagen wollen, sie bringen es aufgrund von motorischen Problemen jedoch nicht richtig heraus. Das unterscheidet die Sprech- von der Sprachstörung. Eltern sollten daher zunächst genau beobachten, in welchen Situationen das Kind stottert und diese hinterfragen. Tritt die Sprechstörung auch noch nach mehr als einem halben Jahr auf, wäre ein Besuch bei einem Kinderarzt oder Logopäden ratsam. Liegt das Stottern in der Familie sollte man nicht so lange warten. Je älter das Kind wird, desto schwieriger ist eine Therapie und die Symptome verfestigen sich.

Wie sollte man mit Kindern umgehen, die Symptome aufweisen?
Man sollte das Kind auf jeden Fall nicht ständig darauf hinweisen, dass es "holprig" spricht. Ein strafender Ton macht alles nur noch schlimmer. Loben, wenn es gut spricht, ihm Zeit geben und positive kommunikative Situationen schaffen, sind wiederum gute Methoden. Und Spiele, die die Fantasie und den Spaß am Sprechen anregen, sind auch zu empfehlen.


Am 22. Oktober ist der „Welttag des Stotterns“. Der Tag wird bereits seit 1998 begangen und soll mit Aktionen und Events Aufmerksamkeit auf die Schwierigkeiten lenken, die Stotternde Tag für Tag bewältigen müssen. Noch immer gibt es zahlreiche Vorurteile gegenüber Menschen mit der Sprechbehinderung. Dieser Tag soll einen offenen Umgang und ein positives Miteinander fördern.

Text/Foto: Anne Breitsprecher

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