Brot mit Belag ist langweilig

Dein Kind ist ein schlechter Esser? Was es nicht kennt, probiert es erst gar nicht? Ernährungsberaterin Sandra Noack weiß, wie mehr Abwechslung und Spaß auf den Kinderteller kommt. Im Experteninterview verrät sie, wie man den Nachwuchs auf den Geschmack bringt.

Was haben Sie als Kind gar nicht gegessen?
Ich kann mich erinnern, dass ich Gurken und Ananas überhaupt nicht mochte! Das habe ich einfach nicht runterbekommen. Käse habe ich am liebsten in Form von Scheiblettenkäse gegessen.

Mögen Sie es heute?
Ananas mag ich heute sehr gerne und Gurke zumindest in Kombination als Salat oder auf Brot. Umgekehrt muss Scheiblettenkäse heute wirklich nicht mehr sein!

Wächst auch der Geschmack mit dem Alter?
Auf jeden Fall! Ich probiere gerne Neues aus, aber auch immer wieder Lebensmittel und Speisen, die ich nicht mag. Oliven habe ich in meinem Leben zigfach probiert, bis ich endlich auf den Geschmack gekommen bin. Einige Vorlieben und Abneigungen sind uns aber auch in die Wiege gelegt. Süßes, Salziges aber auch Fettiges signalisiert zum Beispiel eine hohe Närhstoff- und Energiedichte. Bitteres hingegen könnte giftig und ungenießbar bedeuten und Saures ein Indiz für ein verdorbenes Lebensmittel sein. Mit der Zeit zeigt uns unsere persönliche Erfahrung, die verschiedenen Geschmäcker einzuordnen, Vorlieben auszubilden und kreativ miteinander zu kombinieren.

Es gibt Kinder, die haben eine Lieblingsspeise, die sie jeden Tag essen könnten. Woher kommt in diesen Fällen die Angst vor Abwechslung?
Es gibt ganz unterschiedliche Typen von Kindern. Die einen essen einfach alles und die anderen sind sehr wählerisch. Bei sehr wählerischen Kindern sollten sich Eltern stets selber hinterfragen: Was lebe ich meinen Kindern vor? Esse ich selber mit Lust und Freude? Habe ich bestimmte Lieblingsspeisen oder liebe ich die Abwechslung? Wie spreche ich mit meinen Kindern? Spreche ich meine Befürchtungen, sie wären wählerisch oder schwierige Esser immer wieder vor ihnen laut aus? Kinder lernen am Modell, ganz egal ob das Verhalten oder Vorleben der Eltern bewusst oder vielleicht sogar unterbewusst stattfindet.

Hat sich ein Kind an seinen Lieblingsgerichten festgebissen, werden die Mahlzeiten für die ganze Familie zur Tortur. Wie bleiben Eltern dabei gelassen?
Locker bleiben heißt die Devise! Mit Druck erreicht man gar nichts bzw. genau das Gegenteil. Kinder rutschen selten in einen Nährstoffmangel, nur weil sie bestimmte Lebensmittel bevorzugen oder verweigern. Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass Speisen abgelehnt werden, wenn gar kein richtiger Hunger da war. Später wurde das Essen dann mit großem Appetit gegessen. Eine Möglichkeit wäre es außerdem noch, die Lieblingskomponente anzubieten, aber auch immer wieder Neues zum Probieren dazu. Vielleicht kommt dabei ja dann doch noch die eine oder andere Ergänzung raus. Wir besprechen mit unseren Kindern, was sie essen möchten, eine komplett andere Extrawurst gibt es aber nicht. Was nicht funktioniert (kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen) ist, das Gemüse oder andere „gesunde“ Lebensmittel wie ein Verkäufer mit all seinen Vorteilen anzupreisen.

Wie fördert man den Spaß und die Lust auf Gesundes und Neues bei Kindern?
Mithelfen lassen! Kinder lieben es, Dinge selber zu machen. Das fängt schon beim Einkauf an. Je nach Alter können die Kinder ihren eigenen kleinen Einkaufszettel mit Hilfe selber abarbeiten. Zu Hause darf dann mitgeschnippelt, geknetet und gerührt werden. Klar, erfordert das mehr Zeit, aber es lohnt sich wirklich! Es muss ja nicht jeden Tag im stressigen Alltag zusammen gekocht werden, aber hin und wieder als kleines Event, könnte das eingeplant werden. Die Gestaltung kann auch eine Rolle spielen. Brot mit Belag ist langweilig, aber was wenn die Kinder kreativ sein dürfen? Da kommt z. B. sowas wie Weintrauben-Brotspieße oder Ähnliches bei raus. Nutzen Sie Ausstechförmchen oder bestimmte Schneidetechniken. Ich habe früher z. B. den „Zauberapfel“ geliebt, der in einer besonderen Weise aufgeschnitten wurde und wie ein Stern aussah. Eine andere Form reicht manchmal auch schon aus. Mein Sohn hat letztens die „normalen“ Karottensticks verschmäht und wollte sie mit einem Sparschäler in kleine „Schippchen“ geschnitten haben. Außerdem lohnt es sich verschiedene Lebensmittel, auch nach Ablehnung, von Zeit zu Zeit erneut anzubieten.

Mit Essen spielt man nicht, heißt eine alte Redewendung. Inwieweit können aber lustige Namen für Gerichte oder witzige Formen Kindern helfen einen Zugang zu bestimmten Lebensmitteln zu bekommen? Oder ist das eher kontraproduktiv?
Ein bisschen mit dem Essen spielen, finde ich vollkommen in Ordnung und wichtig. Kinder erkunden und genießen mit allen Sinnen. Sie lieben es mit den Fingern zu essen und da kann natürlich auch mal etwas daneben gehen. Wenn man sicher ist, dass die Speise ankommt und schmeckt, können natürlich auch lustige Namen gewählt werden. Ich habe meinen Kindern allerdings mal versucht einen grünen Smoothie als „Räubersmoothie“ zu verkaufen. Das ging nach hinten los und ich werde immer noch darum gebeten, bzw. kritisch hinterfragt, wenn es einen selbstgemachten Smoothie gibt, dass es auch ja kein „Räubersmoothie“ ist. Deswegen gibt es bei uns eigentlich keine fantasievollen Namen, außer die Kinder denken sich selber etwas aus.

Was sollte auf dem kindlichen Speiseplan auf keinen Fall fehlen?
Es sollte aus allen Lebensmittelgruppen etwas angeboten werden. Begriffe wie „gesund“ oder „ungesund“ vermeide ich. Obst, Gemüse, Getreideprodukte, Eiweißquellen, gesunde Fette … Je bunter desto besser und den Kindern eine Auswahlmöglichkeit lassen. Die Portionen dürfen kindgerecht sein und verschiedene Vorlieben spielen natürlich auch eine Rolle. Meine Tochter isst eher wie ein Mäuschen: Das Stück Karotte oder eine Apfelspalte sehen in Erwachsenenaugen erstmal sehr wenig aus. Dafür isst sie einfach öfter. Mein Sohn dagegen isst sich meist richtig satt und das reicht dann eine Weile. Meist wird „Rohkost“ eher akzeptiert als Gekochtes und das Essen in der Gruppe kann so manche Eltern in Staunen versetzen, weil das Kind Dinge probiert, die es zu Hause nicht essen würde. Wer aber wirklich Angst hat, dass sein Kind einen Mangel erleiden könnte, durch die eingeschränkte Lebensmittelauswahl, sollte sich auf jeden Fall an den Kinderarzt wenden und kann eine Ernährungsfachkraft hinzuziehen.

 


 

Steckbrief: Sandra Noack

Sandra Noack ist Diätassistentin und Achtsamkeitstrainerin aus Leidenschaft. Die Ernährungsberaterin aus Niedersachsen erklärt Kindern und Erwachsenen wie sie auf ihre Körpersignale hören und auf sie achten können.

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Mein Lieblingsplatz mit Kind…
... der Garten oder Spielplatz, Hauptsache raus! Zum Kuscheln oder Bücherlesen geht´s dann gemütlich aufs Sofa.

Wann haben Sie sich in Erziehungsfragen das letzte Mal gewünscht, zaubern zu können?
Meine Kinder sind 2 und 4 Jahre alt, also im Moment kommt das sehr häufig vor! Kompromisse finden, Grenzen setzen … Den richtigen Weg für alle herbeizaubern, das wäre toll!

Und wann haben Ihre Sie Kinder zuletzt verzaubert?
Das ist eine echt schwierige Frage! Meine Kinder verzaubern mich jeden Tag aufs Neue, umgekehrt würde ich sagen, wenn wir etwas Neues entdecken, mit Begeisterung spielen oder einfach nur fröhlich miteinander sind. Das Funkeln in den Augen meiner Kinder ist vielleicht ein Zeichen dafür.

Ihre größte Stärke als Mutter?
Ich kann mich gut zurückhalten, bzw. unterstütze meine Kinder dabei, wenn sie erforschen, matschen oder sonst wie die Welt entdecken möchten.

Was möchten Sie Eltern mit auf den Weg geben?
Gelassen bleiben, Vertrauen schenken und ein genussvolles Vorbild sein!

 

Sandra Noack im Internet:
www.ernaehrungsberatung-wob-gf.de

 

 

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