baby 1151348 1920Das Abendritual für Kinder - brauchen wir das?

Ein verlässlicher Tagesablauf ist für Kinder und Eltern hilfreich, um sich im Tagesablauf orientieren zu können und zu wissen, was als nächstes kommt. Von einer verlässlichen Routine (schon ab dem Babyalter) für Essens-, Schlafens- und Spielzeiten kann die ganze Familie profitieren. Dabei ist es wichtig, nicht immer nur die Uhr im Blick zu haben, damit man auch flexibel reagieren kann.

Die abendliche Routine sollte dabei möglichst die gleiche Reihenfolge haben. Der Startpunkt der Abendroutine ist das Abendessen - 18 Uhr oder 18:30 Uhr ist zum Beispiel eine gute Zeit dafür. Das Abendbrot findet optimaler Weise mit allen Familienmitgliedern in gemütlicher Atmosphäre statt (wenn Mama oder Papa länger arbeiten müssen, sollte man trotzdem rechtzeitig anfangen, damit es nicht zu spät wird.) Auch Stillbabys können mit dabei sein. Wichtig ist eine schöne und harmonische Atmosphäre: Probleme, Streits und Unruhe sollten nicht „auf den Tisch“ kommen. Nach dem Abendessen empfiehlt es sich, die Reihenfolge waschen/duschen/baden, Schlafanzug anziehen, Zähne putzen stets in der gleichen Abfolge stattfinden zu lassen.

Nach der Abendroutine beginnt das eigentliche Abendritual - hier machen wir es uns noch einmal für einen kurzen Zeitraum richtig kuschelig und gemütlich. Das Abendritual dauert ungefähr 15-30 Minuten. Dieses entwickelt sich mit dem Kind weiter und ist ebenfalls keine starre Vorgehensweise. Das Abendritual sollte dazu dienen, die Systeme herunter zu fahren und zu entspannen, denn vor das Schlafen hat die Natur die Entspannung gesetzt.

Das Abendritual endet, wenn man dem Kind „Gute Nacht“ sagt. Manche Kinder schlafen dann ein, manche brauchen noch ein bisschen Hilfe und Begleitung – ihr entscheidet, wie ihr das gerne macht.

Ab welchem Alter kann ein Abendritual eingeführt werden?

Man kann mit dem Abendritual schon beginnen, wenn die Kinder 8 Wochen alt sind. Das Ritual wird dann noch sehr kurz ausfallen: Licht dimmen, leiser sprechen, Schlafanzug und Schlafsack anziehen, hinlegen, stillen oder Flasche trinken, ein Schlaflied singen - all diese Schritte sind auch schon eine Art Abendritual für kleine Babys.

Wenn die Kinder circa ein Jahr alt sind, sollte man spätestens ein Abendritual einführen. Dazu kann man Folgendes versuchen und individuell ausprobieren, was für alle am schönsten ist.

Was kann man bei einem Abendritual machen?

Hierzu eignen sich entspannende Dinge wie Massagen am Rücken oder an den Füßen des Kindes, das Singen von Gute-Nacht-Liedern, Kuscheltiere ins Bett legen, beten, den Tag Revue passieren lassen, eine Geschichte erzählen oder vorlesen.

Der Klassiker: Das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte

Für Kinder ab etwa 1 - 1,5 Jahren bis mindestens zum Ende der Grundschulzeit ist das Vorlesen eines der schönsten, aber auch sinnvollsten Dinge, die man beim Abendritual tun kann. Kinder lernen von den Geschichten, die man ihnen vorliest. Vorlesen erweitert und prägt den Wortschatz, es regt die Phantasie der Kinder an. Bei vielen Geschichten können sich die Kinder mit den Kinderbuchfiguren identifizieren, sie lernen andere Sichtweisen und andere Kulturen kennen. Auch Problemlösungen können kindgerecht aufgearbeitet werden.

Der Klang der Stimme von Mama oder Papa beim Vorlesen einer Geschichte kann zum Entspannen des Kindes beitragen. Während des Vorlesens können die Eltern noch einmal ganz viel Geborgenheit und Kuschelzeit schenken und gleichzeitig die Interaktion mit dem Kind genießen.

Was sind altersgerechte Leseempfehlungen?

Eltern können sehr früh mit dem Vorlesen beginnen - sogar mit Babys unter einem Jahr kann man Bilderbücher anschauen und Geschichten dazu erfinden. Wichtig ist hier weniger das „Vorlesen“, sondern eher der erste Kontakt zu Büchern und der Spaß an Sprache und Lauten. Für Kinder ab 1-1,5 Jahren eignen sich abends zum Beispiel Pixi-Bücher, Bilder-oder Aufklappbücher oder kleinere abgeschlossene Gute-Nacht-Geschichten. Für Kinder ab 3 oder 4 Jahren können die Bücher dann schon Vorlesebücher mit weniger Bildern und mehr Geschichten sein, die abends dann kapitelweise weitergehen (wie z.B. Hexe Wawu, Das Sams, Michel aus Lönneberga etc.)

Wenn die Kinder in die Grundschule kommen, wird das Vorlesen noch einmal ein ganz wichtiger Punkt. Die Kinder können mitlesen und versuchen, kleinere Partien selbst zu lesen. So bekommen sie noch einmal eine ganz andere Beziehung zum Lesen und zu Büchern. Meine Empfehlung wäre, die Kinder auch noch die gesamte Grundschulzeit über abends mit dem Vorlesen zu begleiten. In diesem Alter werden Hörspiele, Apps, Handy- und iPad-Spiele immer wichtiger, trotzdem sollten diese Medien nicht das richtige Vorlesen aus Büchern verdrängen.

Viel Spaß beim Finden des schönsten Abendrituals für euch und eure Liebsten wünscht Julia von Cosy Eleven.